Wege zu innerer Freiheit

Da ist dieser Zustand der Unruhe, Unzufriedenheit, Resignation, da sind Ängste, Traurigkeit, Schuldgefühle, Selbstvorwürfe und schlechtes Selbstwertgefühl. Menschen sind heute vielfach leicht zu kränken, ziehen sich entweder zurück und klagen über ihre Einsamkeit oder reagieren aufbrausend und launisch, bisweilen mürrisch und verbittert. Herausforderungen erleben sie nicht als Lust, sondern als Last oder erliegen einem überfordernden Aktivitätsdrang, der sie stetig ausbrennt. Manche fühlen sich von inneren Zwängen angetrieben oder leiden unter ihrer grübelnden Gedankenmühle. Besonders bezeichnend: Sie leben mehr in der Vergangenheit und Zukunft als im Augenblick und sind überwiegend unglücklich mit ihrem Leben, ihrer Person, ihren Lebensumständen und Beziehungen?

Was erkennen Sie als Ursache/n dieses Zustands?

Die Wurzel solcher Befindlichkeiten, die das Leben schwer machen, liegt oft in seelischen Verwundungen und in Reaktionen darauf. Diese Wunden sind uns meist nicht bewusst, v.a unsere Urwunde, nicht um unserer selbst willen geliebt worden zu sein.
Psychischen Beschwerden und Beziehungskonflikten liegen nämlich natürliche menschliche Bedürfnisse und Sehnsüchte zugrunde, die nicht ausreichend erfüllt und berücksichtigt werden. Die große Bedeutung dieser Bedürfnisse, v.a. der Ursehnsucht, um seiner selbst willen geliebt zu werden, wird unterschätzt. Dann macht diese ungestillte Sehnsucht meist durch physische oder psychische Beschwerden auf sich aufmerksam. Diese bestimmen dann unser tägliches Denken, Fühlen und Handeln, häufig ohne dass es uns bewusst ist.
Die Psychotherapie mit ihren vielen Strömungen versucht dann diese Menschen einfühlsam und ermutigend zu begleiten, sich wohlwollend und liebevoll den eigenen Verwundungen zuzuwenden, Verbindungen zwischen früheren Verwundungen und dem Jetzt-Zustand zu erkennen. Durch diesen Prozess können die Verwundungen, die zur Ursache manchen Leids geworden sind, sogar zur Quelle einer neuen Lebendigkeit und inneren Friedens werden.

Welchen Stellenwert nehmen Gedanken im Alltag ein, und wie kann man sie „heilen“?

Die Gedanken, die wir uns über uns selbst und unser Leben machen, bestimmen nicht nur unsere Gefühle, sondern auch unser Erleben. Dass die Gedanken eine entscheidende Wirkung auf unser Leben haben, haben schon die frühen Mönche erkannt. Cassian, ein Schüler des großen Evagrius Ponticus (345-399) schreibt, dass die Gedanken den Geist des Menschen in das verwandeln, was sie ihm darbieten. Die Gedanken können den Menschen gut oder böse, gesund oder krank machen. Die Wahrheit dieses Satzes bestätigt sich in meiner Praxis vor allem bei den depressiven Patienten, die in ihrem Opferbewusstsein immer Sätze wiederholen, wie z. B: „das kann ich nicht, das bringt mir nichts, keiner mag mich, keiner kümmert sich um mich, es ist alles sinnlos, ich habe Angst, ich bin voller Komplexe, ich hab kein Vertrauen, es ist alles langweilig, es ist mir alles zuviel… Jesus würde zu solchen Menschen sagen: „Dir geschehe nach deinem Glauben“. Die Transaktionsanalyse nennt solche Gedanken ein Lebensskript. Und von unserem Lebensskript hängt entscheidend ab, wie wir unser Leben bewältigen. Da gibt es das Verliererskript: „Bei mir geht alles schief. Ich bin ein Versager“. Da gibt es das Familienskript:“ Bei uns denkt, sagt, tut man so etwas nicht“. Solche inneren Sätze prägen unser Leben. Sie sind oft eine sich selbst erfüllende Prophetie. Wer sich ständig vorsagt, dass er ein Verlierer sei, dem wird auch vieles schief gehen. Und er wird sich immer wieder in seinen negativen Gedanken bestätigt sehen.
Die rationale Verhaltenstherapie weiß, dass Denken, Fühlen und Handeln sich gegenseitig im positiven wie auch im negativen Sinn gegenseitig beeinflussen. Daraus ergibt sich der therapeutische Ansatz, dass durch Verändern des Denkens über eine Sache ein bewusstes Beeinflussen und Verändern der Emotion stattfinden kann. Dies hatte schon Epiktet, ein vorsokratischer antiker Philosoph erkannt, als er schrieb:“ Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Sicht der Dinge“.

Was kann man sich unter „christlich orientierter Psychotherapie“ vorstellen?

Eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die sich am christlichen Geheimnis des verwundeten Heilers Jesus orientiert: Im Herzstück des Evangeliums, dem Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32), zeigt sich die Ursehnsucht der menschlichen Seele, nämlich von Mutter, Vater und letztendlich vom Schöpfer um seiner selbst willen angenommen und geliebt zu sein. Das menschliche Handeln, Wünschen, Fühlen und Denken ist von Kindesbeinen an von dieser Ursehnsucht bestimmt und seine leiblich-seelische Gesundheit hängt von deren graduellen Erfüllung ab. Da jedoch kein Elternpaar seinem Kind diese Ursehnsucht vollständig erfüllen kann und auch kein Liebespartner später, bleibt ein tiefer Urschmerz in der kindlichen und später erwachsenen Seele zurück. Dieser führt dazu, dass der Zweifel an der Erfüllung größer wird als die Liebe zu sich selbst, den Mitmenschen und Gott. Heil oder Heilung der Liebe geschieht da, wo der Mensch dieser liebevollen Zuwendung des Schöpfers in seinem Sohn wieder vertraut, d.h. wo er sich wieder als Sohn fühlen kann, ver-sohnt, sprich versöhnt ist trotz seiner vielen Verfehlungen, Schwächen und dunklen Seiten. Das heißt auch die Welt überwinden, ergo das eigene Ego sterben lassen, damit ich das Leben in seiner ganzen Fülle erkennen kann. Ich erkenne es, indem ich fähig werde, mich dem Leben und dem Jetzt ganz hinzugeben, wie Jesus es getan hat. Kinder gehen ganz im Hier und Jetzt ihres Lebens auf. Wenn sie spielen, tun sie es, als wenn es keine Vergangenheit und Zukunft gäbe, sie spielen zeitlos. Christliche Therapie will mich dazu befähigen, wie ein Kind mich dem Leben hinzugeben und dabei Erfüllung zu erfahren.

Praxis für Psychotherapie und Seelsorge nach dem Heilpraktikergesetz
Andreas Reinold, Diplomtheologe univ. und Heilpraktiker für Psychotherapie
Gesprächstherapie, Gestalttherapie, Logotherapie, Familientherapie, Psychoonkologie, Krisenintervention und Religionspädagogik
Hermannstraße 21, 33102 Paderborn; Tel.: 05276-985534
Fax: 05276-985535, H: 0160-96846065, mail: andreas.reinold@t-online.de

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