Christlich orientierte Psychotherapie

Christliches Heilungsverständnis kann auf heilsame Weise das der Schulmedizin und weltanschaulich neutralen Psychotherapie ergänzen. Letztere versuchen das Symptom als störend oder schädlich wegzutherapieren. Im christlichen Verständnis ist es eine Botschaft Gottes an mich, von einem krankmachenden Lebenskurs umzukehren. Dieser schädliche Lebenskurs nennt die Bibel Sünde oder Trennung von Gott. Bleibt der Mensch trotz der Botschaften Gottes in der Sünde und damit in der Trennung von Gott, verfehlt dieses Leben sein Ziel. In der griechischen Ursprache der Bibel hat Sünde die Bedeutung von Zielverfehlung. Im griechischen Wort Symptom,(dt: zusammenwerfen) kommt zum Ausdruck, worum es geht: in „geballter“ und verschlüsselter Form kommt im Symptom nicht nur das Lebensproblem des Menschen, sondern auch Ansätze zu seiner Lösung zum Ausdruck anstelle des Verdrängens und des Weiterfunktionierens.

Dieses Sichtbarwerden im Symptom ist notwendig, damit Wandlung und damit weitere Entwicklung und Wachstum geschehen kann. Krankheit, Schmerz oder Schicksal müssen vom Patienten (dem Leidenden) erstmals gesehen und angenommen werden, anstatt gleich wegtherapiert zu werden. Das wusste schon der Kirchenvater Gregor von Nazianz, der in theologischem Hinblick auf das Leiden und den Tod Jesu sagte:“ was nicht angenommen wird, kann nicht geheilt werden“.

Heilung durch Anschauen und Annahme braucht dann einen therapeutischen Begleiter, der wie Jesus, das Leiden sichtbar machen kann, es aushält und einfühlsam reagiert wie fürsorgliche Eltern, die sich einem weinenden Baby zuwenden, ohne oft zu wissen, warum es weint. Bevor sie etwas unternehmen, heilen sie, indem sie einfühlsam auf das Kind eingehen. So macht es die grundlegende Erfahrung, dass sich Anspannung und Stress, die oft der Grund für Symptome sind, in Entspannung, Sicherheit und Vertrauen wandelt und dadurch aufgelöst wird. Oft ist damit schon alles getan. Seit 12 Jahren mache ich als Theologe, Christ und Therapeut in der begleitenden Heilungsarbeit diese Erfahrung.

Für den Umgang mit dem Symptom zeigt sich also folgender Dreischritt als heilend: Schmerz und Leiden im oder hinter dem Symptom anschauen, den Schmerz und das Leiden darin wie Jesus annehmen und dann seinen krankmachenden Lebenskurs verwandeln. Nachfolge Jesu bedeutet für mich, dass ich bereit bin, wie Jesus, diese drei Schritte zu gehen, obwohl ich immer wieder versucht bin, meinen Schmerz vor anderen und mir selbst zu verstecken und zu verdrängen oder von der Schulmedizin oder herkömmlichen Psychotherapie wegtherapieren zu lassen.

Heilung besteht also darin, dass ich in erster Linie meine Einstellung zum meinem Leiden und Schmerz im Sinne Jesu verwandle und damit wie er eine Wandlung meines Lebens in die Qualität eines neuen Lebens bzw. Auferstehung in ein befreites Leben erfahre. Im Glaubensbekenntnis heißt es: hinabgestiegen ins Reich der Toten. Hier bedeutet Nachfolge Jesu für mich, dass ich wie er bereit bin, im übertragenen Sinne meine Leichen im Keller anzuschauen.

COP ist eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die sich am christlichen Geheimnis des verwundeten Heilers Jesus, der im Durchschreiten des Todes und Leidens das Leben erlangt hat, orientiert.

Diese Heilungsschritte zeigen sich nochmals ganz deutlich im Herzstück des Evangeliums, dem Gleichnis vom verlorenen Sohn (LK 15,11-32): Hier zeigt sich für mich die Urbefindlichkeit und Ursehnsucht der menschlichen Seele, nämlich von Mutter, Vater und letztendlich von ihrem Schöpfer um seiner selbst willen angenommen und geliebt zu sein.

Das menschliche Handeln, Wünschen, Fühlen und Denken ist von Kindesbeinen an von dieser Ursehnsucht bestimmt und seine leiblich-seelische Gesundheit hängt von deren graduellen Erfüllung ab.

Da jedoch kein Elternpaar seinem Kind diese Ursehnsucht vollständig erfüllen kann und auch kein Liebespartner im späteren Leben, bleibt ein tiefer Urschmerz in der kindlichen und später erwachsenen Seele zurück. Dieser führt dazu, dass der Zweifel an der Erfüllung größer wird als die Liebe zu sich selbst, den Mitmenschen und Gott. Diesen Urschmerz beschreibt die Bibel als Ur- oder Erbsünde und ist in Form eines unbewussten Glaubenssatzes in der kindlichen Seele gespeichert als:“ Du bist nicht gut genug, geliebt zu werden“.

Dieser Glaubenssatz bewirkt große Angst, Scham und Schuld in unserer Seele. Weil die kindliche Seele meint, dass dieser Schmerz, wenn er ins Bewusstsein käme, sie umbringen würde, muss sie ihn unterdrücken. An diesen Urschmerz wird sie immer wieder erinnert, wenn Menschen uns kritisieren, mal nicht 100 % lieben oder ja zu uns sagen. Dann versuchen wir die Aktivierung des Schmerzes dadurch abzuwehren, dass wir uns immer anpassen, perfektionistisch leben und arbeiten, wütend auf diese Menschen werden, Ja-sagen, obwohl wir Nein meinen, eigene Bedürfnisse und Interessen nicht mehr spüren oder zeigen, Je stärker und andauernder diese Verdrängung ist, umso massivere Symptome wird sie erzeugen. Nicht nur der Urschmerz unterdrückt die Seele, auch die Scham, Schuld und Angst verdrängt sie, indem sie sie auf Sündenböcke projiziert. Auf diese können wir dann zornig werden. So kreieren viele Gesellschaften und sogar auch Familien ihre Opfer und die eigene Seele ihre Schattenseiten, wo sie diese ungeliebten Dinge einschließt.

Heil oder Heilung der Liebe geschieht laut LK. 15 da, wo der Mensch dieser liebevollen Zuwendung des Schöpfers in seinem Sohn wieder vertraut, d.h da wo er sich wieder als Sohn fühlen kann, d.h ver-sohnt, sprich versöhnt ist trotz seiner vielen Verfehlungen, Schwächen und dunklen Seiten.

Diese musste er ja vor den Menschen und sich selbst viele Jahre verdrängen in der Hoffnung, dass er dann endlich geliebt würde. Aus dieser Verdrängung sind im Laufe der Jahre aber seelisch-leibliche Störungen, wie z.B Depressionen, Ängste und psychosomatische Erkrankungen entstanden.

Der christlich-orientierte Therapeut unterstützt den zweifelnden und verwundeten Klienten im Vertrauen darin, seine dunklen Seiten des verlorenen Sohnes, wie z.B ungelebtes Leben, ungeliebte Eigenschaften, negative Gefühle, Ablehnung und Vorwürfe gegen die Eltern, gegen Gott und sich selbst in die bedingungslose Liebe Gottes zu halten.

Hier überschreitet dann der Klient zusammen mit dem Therapeuten die Schwelle seines inneren Totenreiches, seines Urschmerzes und Unversöhntheit in die Freude der wieder auferstehenden Ver-söhn-theit des zurückgekehrten Sohnes.

Der christlich-orientierte Therapeut zeigt sich in der Begleitung des verwundeten Klienten nicht als ein gesunder und besserwissender Behandler, sondern wie Jesus als ein verwundeter Begleiter. Auf diese Weise wird die göttliche Kraft in Klient und Therapeut so aktiviert, dass beide eine heilende Wandlung ihrer Seele erfahren.

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