Wie Menschen von dem Zwang frei werden können, perfekt funktionieren zu sollen

„Ich muss noch …“
Manche Menschen sehen das Leben nur als Pflicht. Geliebt und anerkannt sind sie nur, wenn sie viel leisten. So meinen sie. Und bleiben doch einsam und unzufrieden. Wie können sie von ihrem Zwang loskommen, funktionieren zu müssen?
Wer sich öfter dabei ertappt, wie er Sätze mit: „Ich muss noch …“ oder „Ich müsste eigentlich noch …“ beginnt, sollte hellhörig werden. So empfiehlt der Psychotherapeut Reinhold Ruthe. Wer so redet, offenbart einen heimlichen Zwang. Er fühlt sich ständig unter Druck, eigentlich noch dies oder jenes erledigen zu müssen, um den gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Die Betreffenden laufen immer Erwartungen hinterher, die sie einfach als vorgegeben empfinden, bei denen ihnen keine Wahl bleibt, die zu erfüllen sie als seine selbstverständliche Lebensaufgabe angenommen haben. Solche Menschen, warnt Ruthe, wie sie sich gerade unter ernsthaften Christen viele finden, geraten in Gefahr, sich und andere ständig mehr zuzumuten und dabei aber immer unglücklicher und unzufriedener zu werden. Weil sie nie an ein befriedigendes Ende gelangen, werden sie zornig auf sich selber, ihr Schicksal und die Umwelt, geben sich aus ihrer niedergedrückten Stimmung heraus grantig und enttäuscht, obwohl sie eigentlich ganz anders sein wollen.
Was diese Menschen in die Falle des Perfektionismus geraten ließ, ist nämlich ihr Bedürfnis nach Liebe. „Das ist die Ursehnsucht eines jeden, dass er ganz um seiner selbst Willen geliebt wird!“ So betont der Theologe und Psychologe Andreas Reinold, der in Marienmünster eine “Praxis für christlich orientierte Psychotherapie“ betreibt. Viele Kinder verinnerlichen nun schon in ihren ersten Lebensjahren eine ganz andere Botschaft: Du bekommst Zuwendung, wenn du richtig funktionierst. Wenn du brav, still, fleißig, anständig, angepasst bist. Liebe ist nicht einfach da, du kannst sie allenfalls als Lohn für ständiges Bemühen erhoffen. Das Leben besteht aus Aufgaben. An erster Stelle rangiert die Pflicht, und wenn am Ende noch Liebe und Freude dazukommen, hast du Glück gehabt. Kleine Kinder schreien, wenn sie hungrig sind, sich allein fühlen, jemanden brauchen. Wenn Kinder nun merken, dass ihr Schreien keinen Sinn hat, statt besorgte vielleicht sogar wütende oder nervöse Reaktionen hervorruft, verstummen sie, wie Reinhold Ruthe erläutert. Solche Kinder werden ein Leben lang ihre Gefühle verbergen, über ihre inneren Wünsche schweigen und andere Strategien entwickeln, um ihr Liebesbedürfnis erfüllt zu erhalten. Sie wollen sich Liebe durch Leistung erkaufen. „Wenn ich alles recht mache, müssen die anderen mich doch mögen!“ So beschreibt Andreas Reinold den inneren Gedankengang der Perfektionisten. Und doch werden diese immer wieder erleben müssen, wie wenig ihr Bemühen gewürdigt wird, wie sie vereinsamen, statt Freunde zu gewinnen, weil ihre ewige innere Unzufriedenheit den anderen auf den Wecker geht.
Das Liebesloch in ihnen wird zum inneren Zwang, der sie antreibt, sich immer mehr Lasten aufzuladen; weil es aber durch Leistung nicht gefüllt werden kann, wird es immer größer. Solche Menschen hegen im Grunde ihres Herzens den Verdacht, sie seien gar nicht liebenswert, und trauen deshalb anderen gar nicht zu, sie einfach so zu mögen. Sie gehen mit den anderen irgendwie verkrampft um, können nie richtig locker sein, weil sie meinen, den anderen ihren persönlichen Wert erst unter Beweis stellen zu müssen. Sie halten sich gern unter Kontrolle, wie es überhaupt ihre größte Lebenssorge darstellt, die Kontrolle zu verlieren. Dann nämlich überschwemmt die destruktive Angst ihrer Kindheitstage, hilflos einer feindlichen Welt ausgesetzt zu sein, wieder ihre Seele; und diese Angst möglichst unten zu halten, haben sie sich fest als Lebensmotto vorgenommen. Wenn ich mich anstrenge, hat diese Angst keine Chance, sagen sie sich. Und verlieren dabei die Freude am Leben.
Wenn diese geplagten Menschen im Herzen fest glauben könnten, was sie als Christen schon so oft hörten, wären sie geheilt. Davon zeigt sich Andreas Reinold überzeugt und benennt als Ziel seiner Therapie, dass sich seinen Klienten bis in die tiefsten Regionen ihres Leibes hinein festsetzt: Gott liebt mich um einer selbst willen! Zu Reinold kommen Priester und Ordensfrauen, Leute aus dem kirchlichen Dienst. Und diese darf er auch aus ihrem Glauben heraus ansprechen. Der Drang zum Perfektionismus läuft im Kopf ab, so versichert er. Die Gefühle bleiben abgeschnitten; auch weil sie in der Vergangenheit als so verletzend empfunden wurden. Wer aber im Gespräch mit dem Therapeuten wahrnehmen kann, wie sehr noch diese alten Ängste und Vermeidungsmuster das gegenwärtige Leben und Beziehungsverhalten bestimmen, kann sich vom Früheren distanzieren. Und zwar ohne, dass es immer wieder aufgewärmt werden muss. Seine Therapie krame nicht in der Vergangenheit herum, betont Reinold. Er schaut mit seinen Klienten auf deren gegenwärtige Beziehungen, ob zum Partner, dem Chef oder Kolleginnen. Denn stets wirken dort Vater- und Mutterkonflikte aus der Kindheit nach. Dabei lenkt der Therapeut den Blick auf die Gegenwart. „Ich übe mit den Klienten ein, die Welt und die Menschen vorurteilsfrei anzuschauen.“ Wer glauben kann, dass Gott jetzt, in dieser Situation, wie sie ist, auf ihn zukommt, der ist zugleich mit seiner Vergangenheit ausgesöhnt. Sein Therapieweg, so Reinold, geht davon aus, den Blick ins Jetzt zu heilen, an die Gegenwärtigkeit Gottes im Hier und Jetzt zu glauben, wie Reinold im Anklang an Meister Eckhart formuliert. Wer nämlich einübt, die Gegenwart aus Gottes Hand anzunehmen, muss sich ihr gegenüber nicht ängstlich kontrollierend verhalten, nicht abwehrend und widerständig. Auch Reinhold Ruthe formuliert es in seinem Buch über „Die Perfektionismus-Falle“ ähnlich: Wenn ein Perfektionist fest glauben kann, dass die Barmherzigkeit Gottes auch ihn ganz umfängt, ist er geheilt. Richard Schleyer
Buchtipp
Reinhold Ruthe, Die Perfektionismus-Falle – und wie sie ihr entkommen können, 157 Seiten, 9,90 Euro, ISBN 978-3-87067-968-2, Brendow-Verlag, Moers.
Dr. Reinhold Ruthe lebt in Wuppertal und ist Begründer des evangelischen „Instituts für therapeutische Seelsorge“ (ITS).

Hinweis
Andreas Reinold ist in seiner „Praxis für christlich orientierte Psychotherapie“ erreichbar unter der Telefonnummer 05276/985534, e-mail: Andreas.Reinold@t-online.de
www.christlich-orientierte-psychotherapie.info

Ein Gespräch mit dem Gesprächstherapeuten Andreas Reinold aus Marienmünster

Jeder siebte Deutsche leidet unter Angstzuständen. Aber die Angst vor der Angst ist heilbar, so versichert der Therapeut und Theologe Andreas Reinold.

Es gibt die harmlosen Formen der Platzangst. Vielen ist es unangenehm, allein einen dunklen Kelleraum aufzusuchen. Nicht jeder erforscht gerne enge unterirdische Höhlen. Und wenn bei einer Bergwerksbesichtigung sich eine große Gruppe Menschen durch lange, nur notdürftig beleuchtete Gänge schiebt, sind viele froh, wenn sie wieder das Tageslicht erblicken. Und die Fahrt mit dem überfüllten Aufzug den Schacht in die Höhe kann dann zum Alpraum werden.
Das sind dann Momente, in denen sogenannte Panikattacken auftreten können. Obwohl die Situation objektiv eigentlich harmlos ist, ergreift die Betreffenden ein Zustand existentieller Angst. Sie fühlen sich völlig hilflos „Wenn jetzt etwas passiert. Da komme ich nie wieder raus!“ Solche Gedanken schießen dann durch den Kopf, wie der Psychologe Andreas Reinold erläutert. Und körperliche Angstreaktionen setzen ein: das Herz klopft, der Puls rast, der Atem wird flach und schnell, die Muskeln spannen sich an, Schweiß bricht aus. Der ganze Mensch gerät in Alarmstimmung.
Dieses Reaktionsmuster sind stammesgeschichtlich vorgegeben. So erklärt Reinold in unserem Gespräch über psychische Angst-Störungen. Unsere Vorfahren lebten in einer gefährlichen Umwelt. Nicht selten konnten sie sich einem gefährlichen Tier Aug in Aug gegenüber finden. Da musste der Körper blitzschnell seine Kampfeskräfte mobilisieren. Oder alle Energie zur raschen Flucht. Das im Hirn ausgelöste Angstgefühl ließ den Körper die Ressourcen bereitstellen, um auf lebensbedrohliche Situationen reagieren zu können.
Nun begegnen uns im Alltag wohl kaum mehr Säbelzahntiger. Aber oft genug Situationen, die uns im Innersten erschrecken, unseren Selbstwert in Frage stellen, in denen wir uns hilflos, existentiell abhängig und bedroht fühlen. Unsere körperliche Reaktion bleibt immer dieselbe: Angstschweiß, Herzklopfen, beschleunigterAtem. Rationales Denken wird ausgeschaltet. Kämpfe oder lauf weg; nur diese beiden Möglichkeiten erkennt unser Verstand noch. Die einen poltern dann aggressiv los, was ihnen später oft leid tut; die anderen sagen gar nichts, machen sich unsichtbar und ärgern sich hinterher, dass sie sich nicht wehren konnten.

Doch Menschen sind lernfähig, so versichert Reinold, der in seiner psychotherapeutischen Praxis viel mit depressiven und angstbesetzten Patienten zu tun hat. Menschen können einüben, ihr Verhaltenrepertoire zu erweitern. Sie können sich Techniken aneignen, die ihnen helfen, nicht gleich den Kopf zu verlieren.
Angst-Störungen entstehen, wenn sich im Gehirn abgespeicherte Angstmuster lösen, unabhängig vom eigentlich angstauslösenden Moment. Im Gehirn werden nämlich mit dem aufgetretenen Angstgefühl auch damit verbundenen Begleitumstände abgespeichert. Reinold verdeutlicht dies am Beispiel von Tsunami-traumatisierten Personen. Deren bei der großen Überschwemmung erlebten Todesängste treten bei manchen sofort wieder auf, wenn sie nur das Rauschen des Wassers aus einem Wasserhahn vernehmen.
Vielen macht dann schon die Angst vor der Angst zu schaffen. Wenn sie nur an einen dunklen Raum denken oder dass der Aufzug überfüllt sein könnte, erfassen sie schon die Angstzustände. Schon wenn sie fürchten, dass sie jetzt, in diesem unpassenden Moment, in Atemnot geraten könnten, stellt sich diese unwillkürlich ein.
Ziel einer Therapie muss sein, die im Kopf abgespeicherten Angstsituationen und die Panikgefühle zu entkoppeln. Andreas Reinold erzählt dies am Beispiel seiner vier Kinder. Für die hat er vor dem Haus eine Schaukel aufgestellt. Da passiert es eben, dass jedes der Kinder zu Beginn der Schaukelversuche mal runterfälltund sich weh tut. Eine natürliche Reaktion wäre, wenn ein Kind danach die Schaukel meidet. Auf keinen Fall aber sollten die Eltern solches Vermeidungsverhalten unterstützen. Vielmehr sollten sie das Kind sofort wieder auf die Schaukel setzen. Dann nur lernt es, richtig zu schaukeln. Und die damit verbundene Panik ist überwunden. Bleibt das Kind aber künftig der Schaukel fern, setzt sich das mit dem Schaukeln verbundene Panikgefühl fest. Das Kind wird immer ängstlicher, vermeidet immer mehr, beschneidet sich selber in seinen Spiel- und Entwicklungsmöglichkeiten.
Durch Vermeidungsverhalten kommt die Angstspirale erst in Gang, so warnt Reinold. Es fängt damit an, dunkle Keller und enge Räume zu meiden. Dann dehnt sich die Angst auf Aufzüge und überfüllte öffentliche Räume und Plätze aus. Die Angst, vor anderen die Kontrolle über die Angst zu verlieren, führt schließlich dazu, sich ganz zurückzuziehen, jede Art von Parties und Festen zu meiden.
Die Angst vor der Angst beschneidet die Lebensmöglichkeiten immer mehr. Da hat sich eine Frau durch einen unfreundlichen Kollegen verunsichern lassen. Sie geht ihm aus dem Weg, meidet Orte, an denen sie ihm privat begegnen könnte. Schließlich sucht sie schon jede Möglichkeit auszuschließen, wo sie nur an jenen unliebsamen Kollegen erinnert wird – schließt sich damit aber selber aus vielen Beziehungen aus.
Angstbesetzte Menschen neigen dazu, sich ihre Angst, die sie auslösenden Personen und Situationen immer wieder vor Augen zu führen. Immer wieder kehren ihre Gedanken zu ihrer Angst zurück. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden, betont Reinold. Im menschlichen Gedächtnis werden normalerweise negative Erfahrungen stärker erinnert. Die Erinnerung lässt sich aber dahin trainieren, der Angst positive Inhalte entgegenzusetzen. Bloße Ablenkung heilt die Angst auf Dauer nicht. Aber ein positives Lebensgefühl kann eingeübt werden. Reinold empfiehlt seinen Patienten etwa, sich eine Sammlung von Musikstücken zuzulegen, die für sie mit dem Gefühl von Freude und positiver Lebenseinstellung verbunden sind. Und diese dann anzuhören, wenn sie der negative Gedankenkreislauf zu überschwemmen droht. Auch hilft es, bewusst positive Erinnerungen zu suchen und festzuhalten, die mit Glückserlebnissen verbunden sind. Psychologen können sogar Techniken vermitteln, durch die solche positiven Erinnerungen jederzeit abgerufen werden können. Dies funktioniert deshalb, versichert Reinold, weil unser Gedächtnis symbolhaft funktioniert, geistige Inhalte mit körperlichen Funktionen gekoppelt sind. Wer zum Beispiel die Erinnerung an ein freudiges Ereignis zusammen mit einer bestimmten rituellen Handbewegung bewusst abspeichert, kann diese auch wieder abrufen. Der Betreffende wird so freier, nicht angstbesetzt, sondern angemessen reagieren zu können. Für gläubige Patienten hält Reinold noch eine besondere Anti-Angst-Übung bereit. Er gibt ihnen eine Liste mit ermutigenden Sätzen aus der Bibel mit, die sie sich am Abend vor dem Einschlafen und dann bei Angstanfallen laut vorsprechen sollen. Das negative, auf die eigenen Defizite ausgerichtete Lebensgefühl soll positiv gewendet werden, auf die eigenen Stärken hin. Wer mit Hilfe seines Therapeuten den negativen Glaubenssatz entdeckt hat, der sein Leben prägt, kann einen positiven dagegen setzen. Und wird innerlich verwandelt, wenn er sich den oft genug einprägt. Davon ist Andreas Reinold überzeugt.

Andreas Reinold praktiziert als Gesprächstherapeut mit christlichem Hintergrund in Paderborn und Marienmünster. Sein Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Depressionen. Telefonisch erreichbar ist er unter 05276/985534 oder 0160/96846065.

Buchtipps:

Stefan Leidig / Ingrid Glomp: Nur keine Panik! Ängste verstehen und überwinden, 183 Seiten, 14,95 Euro, ISBN 978-3-466-30614-5, Kösel-Verlag, München.
Sr. Cornelia Dehner-Rau, Prof. Dr. Harald Rau: Ängste verstehen und hinter sich lassen, 152 Seiten, 14,95 Euro, ISBN 978-3-8304-3337-8, TRIAS Verlag, Stuttgart.
Ines von Witzleben, Aljoscha Schwarz: Endlich frei von Angst. Denkmuster erkennen. Aktiv trainieren. Selbstvertrauen gewinnen, 160 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-7742-6636-0, Verlag Gräfe und Unzer, München.

Die meisten Menschen betrachten Krankheit noch immer als Schicksalsschlag, als Laune der Natur oder einfach als Zufall, der den einen trifft und den anderen genauso zufällig verschont. Vor allem aber betrachten sie Krankheit als eine Störung, die man so schnell wie möglich wieder beseitigen sollte, um danach genauso falsch weiterzuleben wie bisher.

Sie lassen durch Pillen, Spritzen oder Operationen das Symptom beseitigen, aber verpassen dadurch auch ihre Chance auf Heilung. Krankheit ist jedoch nicht nur eine Störung des Körpers, sondern immer ein Zeichen für das Herausfallen des Menschen aus seiner natürlichen Ordnung, die Bibel nennt es den Sündenfall, die Trennung von Gott, also eine Störung des ganzen Menschen. Der Organismus sagt uns nämlich mit der K. nicht nur, dass wir einen falschen Lebenskurs eingeschlagen haben, sondern zeigt uns auch mit der Art seiner Symptome, wo es fehlt und was zu tun ist, um mein Denken, Fühlen, Reden und Handeln wieder in Ordnung und Harmonie zu bringen.

Für den christlich Glaubenden bedeutet Heilung dann, sein inneres und äußeres Leben wieder neu auf die Liebe Gottes ausrichten, im Vertrauen darauf, dass mein Schöpfer mich liebt, wie ein Vater seinen Sohn ( siehe Gleichnis vom verlorenen Sohn, Lukas 15,11-32). Seit 12 Jahren mache ich als Theologe, Gesprächstherapeut und als Christ die Erfahrung, dass kranke Menschen, die sich meiner therapeutischen Begleitung anvertraut haben, ihre Krankheit als Freund und Helfer verstehen und tiefe Heilung erfahren konnten.

Mehr über meine therapeutische Arbeit erfahren Sie unter: www.christlich-orientierte-psychotherapie.de
Infos, therapeutische Begleitung oder telefonische Beratung in meiner Paderborner Praxis, Hermannstrasse 21, 33102 Paderborn, unter T: 05276-985534 od. Handy: 0160-96846065 oder Mail: andreas.reinold@t-online.de

Christliches Heilungsverständnis kann auf heilsame Weise das der Schulmedizin und weltanschaulich neutralen Psychotherapie ergänzen. Letztere versuchen das Symptom als störend oder schädlich wegzutherapieren. Im christlichen Verständnis ist es eine Botschaft Gottes an mich, von einem krankmachenden Lebenskurs umzukehren. Dieser schädliche Lebenskurs nennt die Bibel Sünde oder Trennung von Gott. Bleibt der Mensch trotz der Botschaften Gottes in der Sünde und damit in der Trennung von Gott, verfehlt dieses Leben sein Ziel. In der griechischen Ursprache der Bibel hat Sünde die Bedeutung von Zielverfehlung. Im griechischen Wort Symptom,(dt: zusammenwerfen) kommt zum Ausdruck, worum es geht: in „geballter“ und verschlüsselter Form kommt im Symptom nicht nur das Lebensproblem des Menschen, sondern auch Ansätze zu seiner Lösung zum Ausdruck anstelle des Verdrängens und des Weiterfunktionierens.

Dieses Sichtbarwerden im Symptom ist notwendig, damit Wandlung und damit weitere Entwicklung und Wachstum geschehen kann. Krankheit, Schmerz oder Schicksal müssen vom Patienten (dem Leidenden) erstmals gesehen und angenommen werden, anstatt gleich wegtherapiert zu werden. Das wusste schon der Kirchenvater Gregor von Nazianz, der in theologischem Hinblick auf das Leiden und den Tod Jesu sagte:“ was nicht angenommen wird, kann nicht geheilt werden“.

Heilung durch Anschauen und Annahme braucht dann einen therapeutischen Begleiter, der wie Jesus, das Leiden sichtbar machen kann, es aushält und einfühlsam reagiert wie fürsorgliche Eltern, die sich einem weinenden Baby zuwenden, ohne oft zu wissen, warum es weint. Bevor sie etwas unternehmen, heilen sie, indem sie einfühlsam auf das Kind eingehen. So macht es die grundlegende Erfahrung, dass sich Anspannung und Stress, die oft der Grund für Symptome sind, in Entspannung, Sicherheit und Vertrauen wandelt und dadurch aufgelöst wird. Oft ist damit schon alles getan. Seit 12 Jahren mache ich als Theologe, Christ und Therapeut in der begleitenden Heilungsarbeit diese Erfahrung.

Für den Umgang mit dem Symptom zeigt sich also folgender Dreischritt als heilend: Schmerz und Leiden im oder hinter dem Symptom anschauen, den Schmerz und das Leiden darin wie Jesus annehmen und dann seinen krankmachenden Lebenskurs verwandeln. Nachfolge Jesu bedeutet für mich, dass ich bereit bin, wie Jesus, diese drei Schritte zu gehen, obwohl ich immer wieder versucht bin, meinen Schmerz vor anderen und mir selbst zu verstecken und zu verdrängen oder von der Schulmedizin oder herkömmlichen Psychotherapie wegtherapieren zu lassen.

Heilung besteht also darin, dass ich in erster Linie meine Einstellung zum meinem Leiden und Schmerz im Sinne Jesu verwandle und damit wie er eine Wandlung meines Lebens in die Qualität eines neuen Lebens bzw. Auferstehung in ein befreites Leben erfahre. Im Glaubensbekenntnis heißt es: hinabgestiegen ins Reich der Toten. Hier bedeutet Nachfolge Jesu für mich, dass ich wie er bereit bin, im übertragenen Sinne meine Leichen im Keller anzuschauen.

COP ist eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die sich am christlichen Geheimnis des verwundeten Heilers Jesus, der im Durchschreiten des Todes und Leidens das Leben erlangt hat, orientiert.

Diese Heilungsschritte zeigen sich nochmals ganz deutlich im Herzstück des Evangeliums, dem Gleichnis vom verlorenen Sohn (LK 15,11-32): Hier zeigt sich für mich die Urbefindlichkeit und Ursehnsucht der menschlichen Seele, nämlich von Mutter, Vater und letztendlich von ihrem Schöpfer um seiner selbst willen angenommen und geliebt zu sein.

Das menschliche Handeln, Wünschen, Fühlen und Denken ist von Kindesbeinen an von dieser Ursehnsucht bestimmt und seine leiblich-seelische Gesundheit hängt von deren graduellen Erfüllung ab.

Da jedoch kein Elternpaar seinem Kind diese Ursehnsucht vollständig erfüllen kann und auch kein Liebespartner im späteren Leben, bleibt ein tiefer Urschmerz in der kindlichen und später erwachsenen Seele zurück. Dieser führt dazu, dass der Zweifel an der Erfüllung größer wird als die Liebe zu sich selbst, den Mitmenschen und Gott. Diesen Urschmerz beschreibt die Bibel als Ur- oder Erbsünde und ist in Form eines unbewussten Glaubenssatzes in der kindlichen Seele gespeichert als:“ Du bist nicht gut genug, geliebt zu werden“.

Dieser Glaubenssatz bewirkt große Angst, Scham und Schuld in unserer Seele. Weil die kindliche Seele meint, dass dieser Schmerz, wenn er ins Bewusstsein käme, sie umbringen würde, muss sie ihn unterdrücken. An diesen Urschmerz wird sie immer wieder erinnert, wenn Menschen uns kritisieren, mal nicht 100 % lieben oder ja zu uns sagen. Dann versuchen wir die Aktivierung des Schmerzes dadurch abzuwehren, dass wir uns immer anpassen, perfektionistisch leben und arbeiten, wütend auf diese Menschen werden, Ja-sagen, obwohl wir Nein meinen, eigene Bedürfnisse und Interessen nicht mehr spüren oder zeigen, Je stärker und andauernder diese Verdrängung ist, umso massivere Symptome wird sie erzeugen. Nicht nur der Urschmerz unterdrückt die Seele, auch die Scham, Schuld und Angst verdrängt sie, indem sie sie auf Sündenböcke projiziert. Auf diese können wir dann zornig werden. So kreieren viele Gesellschaften und sogar auch Familien ihre Opfer und die eigene Seele ihre Schattenseiten, wo sie diese ungeliebten Dinge einschließt.

Heil oder Heilung der Liebe geschieht laut LK. 15 da, wo der Mensch dieser liebevollen Zuwendung des Schöpfers in seinem Sohn wieder vertraut, d.h da wo er sich wieder als Sohn fühlen kann, d.h ver-sohnt, sprich versöhnt ist trotz seiner vielen Verfehlungen, Schwächen und dunklen Seiten.

Diese musste er ja vor den Menschen und sich selbst viele Jahre verdrängen in der Hoffnung, dass er dann endlich geliebt würde. Aus dieser Verdrängung sind im Laufe der Jahre aber seelisch-leibliche Störungen, wie z.B Depressionen, Ängste und psychosomatische Erkrankungen entstanden.

Der christlich-orientierte Therapeut unterstützt den zweifelnden und verwundeten Klienten im Vertrauen darin, seine dunklen Seiten des verlorenen Sohnes, wie z.B ungelebtes Leben, ungeliebte Eigenschaften, negative Gefühle, Ablehnung und Vorwürfe gegen die Eltern, gegen Gott und sich selbst in die bedingungslose Liebe Gottes zu halten.

Hier überschreitet dann der Klient zusammen mit dem Therapeuten die Schwelle seines inneren Totenreiches, seines Urschmerzes und Unversöhntheit in die Freude der wieder auferstehenden Ver-söhn-theit des zurückgekehrten Sohnes.

Der christlich-orientierte Therapeut zeigt sich in der Begleitung des verwundeten Klienten nicht als ein gesunder und besserwissender Behandler, sondern wie Jesus als ein verwundeter Begleiter. Auf diese Weise wird die göttliche Kraft in Klient und Therapeut so aktiviert, dass beide eine heilende Wandlung ihrer Seele erfahren.

Da ist dieser Zustand der Unruhe, Unzufriedenheit, Resignation, da sind Ängste, Traurigkeit, Schuldgefühle, Selbstvorwürfe und schlechtes Selbstwertgefühl. Menschen sind heute vielfach leicht zu kränken, ziehen sich entweder zurück und klagen über ihre Einsamkeit oder reagieren aufbrausend und launisch, bisweilen mürrisch und verbittert. Herausforderungen erleben sie nicht als Lust, sondern als Last oder erliegen einem überfordernden Aktivitätsdrang, der sie stetig ausbrennt. Manche fühlen sich von inneren Zwängen angetrieben oder leiden unter ihrer grübelnden Gedankenmühle. Besonders bezeichnend: Sie leben mehr in der Vergangenheit und Zukunft als im Augenblick und sind überwiegend unglücklich mit ihrem Leben, ihrer Person, ihren Lebensumständen und Beziehungen?

Was erkennen Sie als Ursache/n dieses Zustands?

Die Wurzel solcher Befindlichkeiten, die das Leben schwer machen, liegt oft in seelischen Verwundungen und in Reaktionen darauf. Diese Wunden sind uns meist nicht bewusst, v.a unsere Urwunde, nicht um unserer selbst willen geliebt worden zu sein.
Psychischen Beschwerden und Beziehungskonflikten liegen nämlich natürliche menschliche Bedürfnisse und Sehnsüchte zugrunde, die nicht ausreichend erfüllt und berücksichtigt werden. Die große Bedeutung dieser Bedürfnisse, v.a. der Ursehnsucht, um seiner selbst willen geliebt zu werden, wird unterschätzt. Dann macht diese ungestillte Sehnsucht meist durch physische oder psychische Beschwerden auf sich aufmerksam. Diese bestimmen dann unser tägliches Denken, Fühlen und Handeln, häufig ohne dass es uns bewusst ist.
Die Psychotherapie mit ihren vielen Strömungen versucht dann diese Menschen einfühlsam und ermutigend zu begleiten, sich wohlwollend und liebevoll den eigenen Verwundungen zuzuwenden, Verbindungen zwischen früheren Verwundungen und dem Jetzt-Zustand zu erkennen. Durch diesen Prozess können die Verwundungen, die zur Ursache manchen Leids geworden sind, sogar zur Quelle einer neuen Lebendigkeit und inneren Friedens werden.

Welchen Stellenwert nehmen Gedanken im Alltag ein, und wie kann man sie „heilen“?

Die Gedanken, die wir uns über uns selbst und unser Leben machen, bestimmen nicht nur unsere Gefühle, sondern auch unser Erleben. Dass die Gedanken eine entscheidende Wirkung auf unser Leben haben, haben schon die frühen Mönche erkannt. Cassian, ein Schüler des großen Evagrius Ponticus (345-399) schreibt, dass die Gedanken den Geist des Menschen in das verwandeln, was sie ihm darbieten. Die Gedanken können den Menschen gut oder böse, gesund oder krank machen. Die Wahrheit dieses Satzes bestätigt sich in meiner Praxis vor allem bei den depressiven Patienten, die in ihrem Opferbewusstsein immer Sätze wiederholen, wie z. B: „das kann ich nicht, das bringt mir nichts, keiner mag mich, keiner kümmert sich um mich, es ist alles sinnlos, ich habe Angst, ich bin voller Komplexe, ich hab kein Vertrauen, es ist alles langweilig, es ist mir alles zuviel… Jesus würde zu solchen Menschen sagen: „Dir geschehe nach deinem Glauben“. Die Transaktionsanalyse nennt solche Gedanken ein Lebensskript. Und von unserem Lebensskript hängt entscheidend ab, wie wir unser Leben bewältigen. Da gibt es das Verliererskript: „Bei mir geht alles schief. Ich bin ein Versager“. Da gibt es das Familienskript:“ Bei uns denkt, sagt, tut man so etwas nicht“. Solche inneren Sätze prägen unser Leben. Sie sind oft eine sich selbst erfüllende Prophetie. Wer sich ständig vorsagt, dass er ein Verlierer sei, dem wird auch vieles schief gehen. Und er wird sich immer wieder in seinen negativen Gedanken bestätigt sehen.
Die rationale Verhaltenstherapie weiß, dass Denken, Fühlen und Handeln sich gegenseitig im positiven wie auch im negativen Sinn gegenseitig beeinflussen. Daraus ergibt sich der therapeutische Ansatz, dass durch Verändern des Denkens über eine Sache ein bewusstes Beeinflussen und Verändern der Emotion stattfinden kann. Dies hatte schon Epiktet, ein vorsokratischer antiker Philosoph erkannt, als er schrieb:“ Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Sicht der Dinge“.

Was kann man sich unter „christlich orientierter Psychotherapie“ vorstellen?

Eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die sich am christlichen Geheimnis des verwundeten Heilers Jesus orientiert: Im Herzstück des Evangeliums, dem Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32), zeigt sich die Ursehnsucht der menschlichen Seele, nämlich von Mutter, Vater und letztendlich vom Schöpfer um seiner selbst willen angenommen und geliebt zu sein. Das menschliche Handeln, Wünschen, Fühlen und Denken ist von Kindesbeinen an von dieser Ursehnsucht bestimmt und seine leiblich-seelische Gesundheit hängt von deren graduellen Erfüllung ab. Da jedoch kein Elternpaar seinem Kind diese Ursehnsucht vollständig erfüllen kann und auch kein Liebespartner später, bleibt ein tiefer Urschmerz in der kindlichen und später erwachsenen Seele zurück. Dieser führt dazu, dass der Zweifel an der Erfüllung größer wird als die Liebe zu sich selbst, den Mitmenschen und Gott. Heil oder Heilung der Liebe geschieht da, wo der Mensch dieser liebevollen Zuwendung des Schöpfers in seinem Sohn wieder vertraut, d.h. wo er sich wieder als Sohn fühlen kann, ver-sohnt, sprich versöhnt ist trotz seiner vielen Verfehlungen, Schwächen und dunklen Seiten. Das heißt auch die Welt überwinden, ergo das eigene Ego sterben lassen, damit ich das Leben in seiner ganzen Fülle erkennen kann. Ich erkenne es, indem ich fähig werde, mich dem Leben und dem Jetzt ganz hinzugeben, wie Jesus es getan hat. Kinder gehen ganz im Hier und Jetzt ihres Lebens auf. Wenn sie spielen, tun sie es, als wenn es keine Vergangenheit und Zukunft gäbe, sie spielen zeitlos. Christliche Therapie will mich dazu befähigen, wie ein Kind mich dem Leben hinzugeben und dabei Erfüllung zu erfahren.

Praxis für Psychotherapie und Seelsorge nach dem Heilpraktikergesetz
Andreas Reinold, Diplomtheologe univ. und Heilpraktiker für Psychotherapie
Gesprächstherapie, Gestalttherapie, Logotherapie, Familientherapie, Psychoonkologie, Krisenintervention und Religionspädagogik
Hermannstraße 21, 33102 Paderborn; Tel.: 05276-985534
Fax: 05276-985535, H: 0160-96846065, mail: andreas.reinold@t-online.de